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Watt mut, datt mut!

Immer wenn ich mal wieder in Turbogeschwindigkeit alle meine Aufgaben erledigt habe und auch sonst keiner meine Hilfe gebrauchen kann, lässt Herr Krempel mich auf meine Wissenschaftliche Arbeit (im Folgenden „WA“ genannt) los. Da bin ich dann wirklich nicht mehr zu halten und meine Euphorie sprengt jede Skala die nur von 1-10 reicht. Ganz ehrlich: Ich bräuchte eine mit negativen Zahlen…

In diesen Situationen denke ich immer gerne an eine Freundin aus Hamburg, die mir schon oft mit ihren tollen Nordlicht-Tipps das Leben erleichtert hat. Und nein – ich denke dann nicht etwa darüber nach, mir ganz nach dem Motto „Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken“ einen Schnaps rein zu kippen. Vielmehr kommt mir die plattdeutsche Weisheit „Wat mutt, dat mutt“ in den Sinn und mit dieser Einstellung mache mich dann über mein heißbegehrtes Projekt her.

 

Ich soll für das Online-Modul „Internationale Medienwirtschaft“ eine WA zum Thema „Wählen Sie eine international/global präsente Marke und analysieren Sie, welche Elemente weltweit einheitlich, welche differenziert herausgestellt werden.“. Meine erste Wahl war Coca Cola, was sich bei der Recherche aber schnell als ungünstig erwiesen hat, weil ich nichts Brauchbares – sprich den Richtlinien für Projektarbeiten der Macromedia entsprechendes – gefunden habe. Ein paar Tage später bringt mich ein Artikel über die Schließung einiger McDonald’s-Filialen dazu, McDonald’s zur Marke meiner WA zu ernennen. Welch’ eine Ehre!

 

Zahlreiche Kaffees und ausgewählte Beats lassen die Recherche erträglicher werden und diesmal läuft’s auch schon viel besser: Ich finde zahlreiche fundierte Artikel und Bücher, die den hohen Ansprüchen der mhmk gerecht werden. Oberstes Gesetz: Kein Wikipedia! Das nutzt ein Student nur vorab, um die Komplexität eines Themas zu verringern, wenn dieses in allen anderen Quellen unverständlich erklärt wird. Muss ja keiner wissen!

 

Manchmal frage ich mich, was andere wohl denken würden, wenn sie mich bei der Recherchearbeit beobachten würden. Ich erwische mich nämlich selbst immer wieder dabei, wie ich bei viel zu vielen Artikeln einen Wichtigkeits-Vermerk mache, weil ich das Gefühl habe, jedes mal einen noch viel wichtigeren Text gefunden zu haben, als den zuvor. Und auch sonst herrscht da immer ein ziemliches Chaos in dem Word-Dokument. Hier ein Link, da ein Text, zwischendurch sogar schon die ein oder andere Grafik und vor allem viel zu viele Ausrufezeichen (stehen für die Wichtigkeit einer Quelle). Hört sich jetzt vielleicht so an, wie wenn da kein ordentliches Endresultat entstehen könnte, ist aber nicht so! Bisher habe ich es noch immer geschafft, aus meinem anfänglichen Wirrwarr ein halbwegs geordnetes Chaos zu schaffen und eine passable WA abzuliefern.

 

Allein schon die Recherche sorgt bei mir für Verzweiflung und wie wenn das dann nicht reichen würde, kommt danach erst der richtige Hammer: Zitate! Sie sind wirklich das Non-Plus-Ultra! Da läuft’s dann rückwärts bei mir. Ich kann mich einfach nicht mit den tausend unterschiedlichen Regelungen anfreunden. Warum reicht es denn nicht aus, am Ende der WA zu erwähnen, auf welche Werke man sich bezogen hat?! Diese Meinung teile ich garantiert mit tausenden von Studenten, die sich alle durch den Zitate-Dschungel quälen müssen und sich dabei ständig in Lianen verheddern. Welch’ passende Metapher an dieser Stelle…

Aber weil mir gar nichts anderes übrig bleibt, als mich den harten Vorgaben zu beugen, tue ich das eben und gebe beim Zitieren mein Bestes, um ein Plagiat zu vermeiden.

 

 

Am Ende sollen es möglichst genau 12,5 Word-Seiten sein. 12,5 Seiten voller spannender Erkenntnisse, Ergebnisse und – nicht zu vergessen – Zitate. Schrift Arial 11 pt, Ausrichtung Blocksatz mit Silbentrennung, Seitenzahl unten rechts oder unten zentriert, usw… Während ich vor mich hin schreibe und hoffe, diesen Vorgaben gerecht zu werden, freue ich mich bei jeder WA aufs Neue, wenn ich den Zeilenabstand von 1,0 auf 1,5 vergrößere und feststelle, dass ich schon viel mehr geschafft habe, als gedacht. Ein Hoch auf diese Zeilenabstands-Regelung…

 

 

Für die McDonald’s-WA habe ich jetzt noch ein paar Wochen Zeit, um die 12,5 Seiten mit Content zu füllen. Watt mut, datt mut!

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