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#schwör

In Ulm ist heute Feiertag. Jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli feiern die Ulmer den sogenannten Schwörmontag. Dieser Feiertag hat seinen Ursprung im 14. Jahrhundert, wo der sogenannte Große Schwörbrief den Streit zwischen den Patriziern (Oberschicht im antiken Rom) und den Zünften beendete. Der Brief garantierte allen Mitgliedern des Parlaments gleiches Stimmrecht und verpflichtete den Bürgermeister, jährlich Rechenschaft abzulegen. Bis ins 19. Jahrhundert kam es jedes Jahr aufs Neue zum gegenseitigen Treueschwur von Bürgern und Stadtrat. Diese Zeremonie fand auf dem Schwörbalkon des Ulmer Schwörhauses statt. Mit dem Verlust der Abhängigkeit im Jahr 1802 wurde der Brauch unterbunden und erst die Nationalsozialisten belebten ihn wieder neu. Sie machten aus der Schwörrede eine Ansprache an die Bevölkerung, in der der Oberbürgermeister Rechenschaft über das vergangene Jahr ablegte und die Pläne für das kommende Jahr vorstellte. Seit 1949 gibt es einen Eid, der auf die Schwörrede folgt: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt“.

An dieser Stelle sei jetzt aber genug zur Vergangenheit gesagt. Heute wird die Schwörwoche mit der Lichterserenade am Samstagabend eingeläutet. An diesem Abend kann man ab Einbruch der Dunkelheit (ca. 21.30 Uhr) ein wunderschönes Lichtermeer auf der Donau beobachten. Als weiteres Highlight fahren zwei Boote die Donau hinab und feuern insgesamt dreimal ein Feuerwerk in die Luft. Will man nahe am Wasser sein, um das wunderschöne Spektakel besser sehen zu können, lohnt es sich schon am frühen Abend ans Donauufer zu kommen. Im Fischerviertel, wo sich der Großteil des Events abspielt, gibt es zahlreiche Buden und Bierstände, die die Gäste mit ausreichend Würstchen und Bier versorgen.

Der Sonntagabend ist für ein Oper-Air-Konzert auf dem Münsterplatz reserviert. Die Künstler wechseln jährlich und sind fast immer heiß begehrt. Dieses Jahr waren die Fantastischen Vier am Start und haben die Ulmer plus angereiste Gäste mit guter Musik versorgt.

Der Tag auf den eigentlich alle warten ist aber erst der Montag – Schwörmontag. Das ist DER Ulmer Feiertag schlechthin. Da steht Ulm Kopf. Da kommen Leute von nah und fern, weil einfach was geht in der schönen Stadt: Am Vormittag um 11 Uhr hält der Bürgermeister die Schwörrede am Schwörhaus und am Nachmittag geht’s vor allem für die Jüngeren und jungen Erwachsenen los, wenn ab 16 Uhr das Nabada (Hinunterbaden) an die Donau lockt. An die 30 kreativ und aufwändig gestalteten Fähren und Schiffe fahren die Donau hinab und versuchen politische Themen und das kommende Geschehen karikativ darzustellen. Wäre schade, wenn das schon alles wär, denken sich tausende Bürger und gestalten eigene kleine und auch große Wassergefährte, mit denen sie ebenfalls die Donau hinab schwimmen und den Tag feiern. Die Wasserscheuen kommen ab 16 Uhr bei der Radio 7 90er-Party auf dem Münsterplatz voll auf ihre Kosten. An diesem Tag ist wirklich ganz Ulm unterwegs, um DEN Tag des Jahres zu feiern.

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