Categories:> Lisas Tagebuch

Der ganz normale Wahnsinn

 

Morgenstund. Es klingt wie Musik in den Ohren, wenn Herr Krempel uns am Morgen freundlich begrüßt. Die zweite Woche des Praktikums ist vorbei und es ist Zeit für einen Rückblick: „Wer am Montag scheiße aussieht hatte ein geiles Wochenende!“ So oder so ähnlich startet auch meine zweite Woche bei Krempel & Co.Nichts desto trotz beginne ich um 8.30 Uhr meinen Arbeitstag und bekomme verschiedene Aufgaben von Herr Krempel zugeteilt. Ich soll Keywords für Krempel & Co. finden und die Kundenansprache für einen Oster-Newsletter verfassen. Letzteres löst Freude in mir aus, weil ich beim Verfassen des Textes bemerke, dass Ostern, und damit auch das Ende der Fastenzeit, nicht mehr weit entfernt ist. Endlich wieder Süßigkeiten 😀 Im Zuge dieser vorösterlichen Verkündigung stoße ich auf viele leckere Rezepte von unserem Kunden GEFRO. Eigentlich würde ich jetzt lieber eins davon nachkochen, doch wir sind ja nicht bei Wünsch-Dir-Was.

Nach getaner Arbeit setzte ich mich daran, einen Facebook-Post zu verfassen und mit Zustimmung von Herrn Krempel zu veröffentlichen. Wenn es ums Thema Zustimmung geht ist Herr Krempel überall in der Agentur heiß begehrt, weshalb ich die Gunst der Stunde nutze und seine Zeit noch ein wenig länger in Anspruch nehme, bevor er wieder an einer anderen Baustelle sein Okay geben muss. Ich weiß, dass er die nächsten zwei Tage zusammen mit Herr Deppert für drei Termine unterwegs ist und will deshalb wissen, was ich in den kommenden 48 Stunden machen soll. Die letzten anderthalb Stunden vom Montag und die ersten drei vom Dienstag verbringe ich mit Brainstorming für einen geplanten Werbeclip.

Nach der Mittagspause setzte ich mich, wie besprochen, zu zwei Kolleginnen ins Büro und schaue diesen bei der Arbeit zu. Von Sarah werde ich in die komplexe Welt der Programmierung eingeweiht. Ich bin wirklich begeistert und erstaunt zugleich, wie man so etwas jeden Tag und vor allem gerne tun kann. Wie die Praktikumsbeauftragte unserer Hochschule so schön sagt: Nach dem Praktikum wisst ihr schlimmstenfalls was ihr nicht machen wollt. Von Simone bekomme ich im Anschluss eine Einführung in die Programme InDesign und Photoshop. Jetzt weiß ich, wie ich anderen oder auch mir selbst die Lippen aufspritzen oder die Nase demolieren kann. Vielleicht mache ich ja irgendwann einmal Gebrauch davon.

 

Die zwei wissen irgendwann auch nicht mehr so richtig, was sie noch alles tun oder mir zeigen können und so mach ich mich dran meine Mails zu checken. Ich soll dieses Semester neben dem Praktikum ein Online-Modul belegen und am Ende des Semesters eine Wissenschaftliche Arbeit dazu abgeben. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, wie unglaublich gerne ich Wissenschaftliche Arbeiten schreibe. Mit all den Recherchearbeiten im Voraus und dem Zitier-Zirkus währenddessen ist es sozusagen meine absolute Lieblingsbeschäftigung und ich habe mich schon im fünften, vergangenen Semester tierisch gefreut eine zu schreiben. Natürlich NICHT. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei und deshalb hab ich mich in meiner „arbeitslosen“ Zeit mit dem Thema Internationale Mediensysteme beschäftigt. Klingt spannend – is es aber nich…

Auch am Mittwoch läuft mein Tag ähnlich ab, weil ich noch immer nicht weiß, was ich tun soll. Ich freue mich, dass Herr Krempel am Donnerstag mit neuen Aufgaben kommt. Freie Zeit kann in diesem Fall eben beides sein: Fluch und Segen. Bevor ich am Donnerstagmorgen jedoch mit neuen Aufträgen eingedeckt werde erzählt uns Herr Krempel von den Erfolgen und Misserfolgen bei den Terminen. Man merkt deutlich, dass die Stimmung in der Agentur angespannt ist und jeder ein bisschen vorsichtig ist, was er sagt und tut. Ich sitze auf meinem Platz und beobachte das Ganze unauffällig.

Trotz der Anspannung ist Herr Krempel relativ entspannt und gibt mir dann irgendwann etwas zu tun: Plakate falten. Herr Deppert fällt ein Stein vom Herzen, dass nichtmehr länger er derjenige ist, der diesen „überaus komplexen Job“, wie er es nennt, machen muss. Ich finde es eigentlich ganz entspannend und verstehe auch ganz gut, dass ich das machen soll. Hatte schließlich bis jetzt noch keine typischen Praktikantenaufgaben bekommen. Ich schnappe mir also die Handschuhe und gehe den gefühlt tausend Plakaten an den Kragen. Schnell habe ich eine Taktik raus und die Kollegen staunen, wie schnell ich den Stapel abgearbeitet habe. Welch’ ein Erfolg für mich. Da hätte ich schon ganz gerne eine Urkunde ausgestellt bekommen 😀

Am Freitag merkt man immer noch die Anspannung vom Vortag. Gut, dass das Wochenende kommt, wo alle abschalten können, um am Montag wieder in eine frische und friedliche Woche zu starten.

Im Laufe des Tages kommt der Getränkelieferant mit Erfrischungsnachschub. Er freut sich, dass ich Bilder von ihm mache und er im Blogbeitrag erwähnt wird. Wenigstens einer, der sich heute freut. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich finde es interessant zu sehen, dass nicht immer alles heile Welt ist, die Zusammenarbeit aber trotzdem sehr gut funktioniert. Langeweile kommt hier bestimmt nicht so schnell auf…

Share

Your comment